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LibraryThing

Das ist ja ein Ding! Es gibt neben Bibliothekare noch Menschen, die Bücher freiwillig katalogisieren? Momentan machen das 794,857 Nutzer mit Hilfe des Web-Angebotes LibraryThing. Die private Bibliothek wird ganz unkompliziert in einen eigenen Katalog eingegeben und mit weiteren Titeldaten, Buchcover, Tags, Rezensionen und Empfehlungen ergänzt. Gleichgesinnte kann man leicht finden und munter in Gruppen Diskutieren.

Vielleicht haben die Kollegen der Gruppe „Librarians who LibraryThing“ einfach recht und der Beruf Bibliothekar ist mittlerweile doch ‚hipper‘, als wir immer glauben? Darüber wird zumindest in einem Beitrag der Gruppe diskutiert. Besonders schön fand ich dort den Hinweis auf einen Artikel in der New York Times.

Nun zu den eigentlichen Fragen: Was können denn Bibliotheken mit diesem Ding anfangen? Könnte LibraryThing eine Konkurrenz zu den oft langweiligen, unübersichtlichen Bibliothekskatalogen werden?
Oder kann es gar eine Konkurrenz für das gesamte Bibliothekswesen werden?

Die Stadtbücherei Norderham präsentiert ihre Neuerscheinungen der Erwachsenenliteratur in einem LibraryThing Katalog.
Beim durchstöbern dieses Kataloges viel mir zuerst auf, dass er schön übersichtlich ist. Auch die Titeldaten mit den zahlreichen Anreicherungen (Tags, Empfehlungen, Cover) sind optisch angenehm und übersichtlich gestaltet. Die Suche nach einzelnen Titeln ist einfach gehalten und daher ebenfalls positiv zu bewerten. Ohne jetzt zu wissen, warum die Stadtbücherei Norderham sich dazu entschlossen hat, einen LibraryThing Katalog anzulegen, möchte ich meine Ideen dazu niederschreiben, aber auf keinen Fall die KollegInnen irgendwie kritisieren.

Ich kann mir gut vorstellen, das ein „normaler“ Benutzer mit dem LibraryThing Katalog besser und intuitiver umgehen kann. Er hat die Möglichkeit andere/ähnliche Titel schnell und einfach ausfindig zu machen. Und mitmachen geht natürlich auch.
Allerdings verfügt dieser Katalog über keine direkte Verknüpfung mit dem eigentlichen Bibliothekskatalog, daher sind Ausleihstatus und Signatur nicht ersichtlich. Es wird also eine zweite Suche notwendig, wenn ein Nutzer diese Informationen haben möchte.
Jacob Voss stellte in seinem Artikel LibraryThing – Web 2.0 für Literaturfreunde und Bibliotheken fest, dass in LibraryThing eine „Übermacht der englischen Sprache“ (S.2) herrscht. Dem kann ich nur zustimmen. Die meisten Tags und Empfehlungen werden auf Englisch wiedergegeben. Dieser Umstand könnte dafür sorgen, dass ein zwangloses stöbern doch nicht so einfach möglich ist.
Daher würde ich einen LibraryThing Katalog eher als Öffentlichkeitsarbeit ansehen. Der neue Bestand wird einer breiten Masse an interessierten Menschen auf eine optisch ansprechende Weise und in einem modernen und beliebten Medium präsentiert. Durch die Möglichkeit sich einzubringen, kann evtl. auch eine stärkere Bindung zur Bibliothek aufgebaut werden. Vielleicht könnte sich die Bibliothek und deren Angebote innerhalb von LibraryThing auch noch stärker präsentieren?

Neben der Möglichkeit den Bibliotheksbestand in einem Katalog zu präsentieren, können einige LibraryThing Angebote auch in den eigenen Katalog integriert werden. Diese Liste zeigt die bisherigen Möglichkeiten der Kataloganreicherung durch LibraryThing. So kann beispielsweise eine tag cloud angezeigt werden.
Die Möglichkeit den eigenen Bibliothekskatalog anzureichen wird bereits von vielen Bibliotheken genutzt. Allerdings scheinen mir die Angebote die da genutzt werden professioneller zu ein. Für weitere Informationen dazu könnte der Artikel Katalogerweiterungen, Mashups und Elemente der „Bibliothek 2.0“ in der Praxis interessant sein.

In einigen Blogs, die sich ebenfalls innerhalb der Lektion 6 des Selbstlernkurses Bibliothek 2.009 mit LibraryThing befassen, habe ich weitere interessante Gedanken gefunden. So wird im Blog CKJ Katalogiseriung über die Probleme bei der Eingabe von chinesischen Büchern berichtet. In Wedernoch´s Blog kann man sehr schön nachlesen, wie frustrierend es sein kann, wenn ein älteres Buch nicht in LibraryThing vorhanden ist. Bei älteren Bücher, gerade auch Altbestand, kann Librarything gar nicht mehr mithalten, weil eben nur Bücher katalogisiert werden, die die Nutzer auch besitzen.
Lahdihda’s Blog
greift den Mangel auf, dass nur Bücher und keine Nichtbuchmaterialien aufgenommen werden können.

Fazit: Als Mittel für die Öffentlichkeitsarbeit? Ja.
Als Katalogersatz? Nein.
Für die Kataloganreicherung? Jain. Hier bedarf es sicher noch einiger Verbesserungen.
Als Konkurrenz fürs Bibliothekswesen? Nein.

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ToDo: Das Ding im Auge behalten.

RSS Feed für Kommentare zu diesem Artikel

RSS Feeds in Bibliotheken

29/07/2009 6 Kommentare

Was ist das? 128px-Feed-icon2.svg.bmp
Meist viereckig, orange mit einem Punkt und zwei Streifen, aber auch immer häufiger in ziemlich wilden Varianten… panda

Viele werden sofort wissen, dass es sich dabei um Symbole für RSS Feeds handelt. Ein paar weniger werden wissen, dass sie diese Symbole dazu einladen beispielsweise Neuigkeiten einer Webseite zu abonnieren. Noch weniger werden wissen, wie sie diese Inhalte erhalten und lesen können. Und ich wage zu behaupten, dass noch immer nur ein paar Besucher einer Webseite bei diesem Angebot zugreifen.

Aber warum eigentlich?
Schließlich kann man doch ständig lesen, wie praktisch und zeitsparend Feeds sind. Auch während des Studiums habe ich das mehrfach gehört. Aber ganz ehrlich? Sofort überzeugt hat mich diese Technologie nicht. Wieso?

Da muss ich überlegen…
Ich glaube es lag daran, dass diese einfache Technologie so umständlich erklärt wurde oder umständlich erklärt werden musste? Immerhin gilt es Fragen wie: „Was ist das überhaupt?, „Wie mache ich das?“ (Allein hier gibt es schon mehr oder weniger aufwendige Möglichkeiten.) und „Was bringt mir das?“ zu beantworten. Und nach diesen Ausführungen ist man vielleicht nicht wirklich davon überzeugt, dass es einfach, praktisch und zeitsparend ist RSS Feeds zu benutzen. Ob das nur bei mir so war…wer weiß?

Und wieso benutze ich sie nun trotzdem gern? Weil auch ich immer mehr Internetseiten, Blogs, Diskussionen etc. interessant und lesenswert finde. Und weil auch ich merke, dass es umständlich und zeitaufwändig ist mehr als 20 Internetseiten zu besuchen und auf Neuigkeiten zu prüfen. Deshalb habe ich einfach mal aufgehört mich zu fragen, was mir diese Feeds wohl bringen würden und es ausprobiert. Und tatsächlich, es spart Zeit! Ich kann jetzt mühelos einer großen Menge an Informationen folgen und auf dem Laufenden bleiben. Egal, ob es mehrmals am Tag etwas Neues gibt oder einmal im Monat. Ich verpasse nichts.

Diese Erkenntnis ist jetzt eine Weile her und nun kommt das berufliche ins Spiel. Die UB in Kiel möchte auch bald RRS Feeds anbieten und ich darf dieses Projekt umsetzen. Da trifft es sich sehr gut, dass dieses Thema gerade in der Bibliothek 2.009 in Lektion 04 und in Lektion 05 bearbeitet wird.

Am Anfang des Projektes ist es natürlich spannend zu recherchieren, welche Bibliotheken bereits Feeds anbieten und noch viel wichtiger, welche Inhalte sie verbreiten. Eine erste Übersicht war leider schnell abgearbeitet, weil es in Deutschland bisher noch gar nicht viele Bibliotheken mit RSS Feeds gibt.

Welche Informationen verbreiten sie?
Oft ähneln sich die Inhalte. Am häufigsten findet man Feeds die Neuigkeiten, Aktuelles etc. der Bibliothek beinhalten. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, immerhin kann man aus diesen Informationen automatisch einen Feed erzeugen. Feeds für Neuerwerbungen sind ebenfalls häufiger zu finden. Hier gibt es aber schon größere Unterschiede. Als einfachste Variante gibt es Feeds, die die Neuerwerbungen des letzten Monats oder die letzen 30 Neuerwerbungen beinhalten. Teilweise werden sie auch auf bestimmte Fachgebiete zugeschnitten angeboten.
Am schönsten finde ich das Angebot der TUB Hamburg-Harburg MyBibRSS. Eine personalisierte Neuerwerbungsliste! Feed benennen, Fachgebiete auswählen, fertig. Was erhalte ich? Einen Neuerwerbungs-Feed, der auf meine Interessen, Studienfach etc. zugeschnitten ist und keine überflüssigen Informationen enthält.

Welche Themen könnten Inhalte von Feeds sein? Hier ein paar Anregungen aus diversen Bibliotheks-Feeds + ein paar eigene Überlegungen.
– Öffnungszeiten Bibliothek (Änderungen / Schließungstage)
– Veranstaltungen (erste Bekanntmachung / spätere Erinnerung)
– Schulungsangebote (erste Bekanntmachung / Hinweis auf freie Plätze / Erinnerung)
– Datenbanken (neue Angebote / nicht mehr zugänglich / Veränderungen)
– Literatur (größere Menge durch Geschenk, Nachlass erhalten, dazu Infos)
– Spenden (Was wurde mit dem Geld gemacht?)
– Wartungsarbeiten / Störungen (ankündigen, Störungen schnell melden, erklären,
Hilfestellung)
– Umfragen (Ergebnisse Umfragen mitteilen, damit verbundene Änderungen)
– „Flohmarkt“ (Verkauf ausgesonderte Bücher)
– Besonderheiten im eigenen Bestand (vorstellen)
– „Probleme“ aus den Abteilungen (Nutzer machen ständig etwas „falsch“? Hier könnten
verschiedene Themen aufgegriffen und erklärt werden)
– Bibliothek, Abteilungen, Geräte (vorstellen, bekannter machen)
(Diese Liste wird hoffentlich noch länger.)

Ich denke es ist wichtig, dass der Feed nicht nur einmal im Monat etwas verbreitet.
Wir haben mit RSS Feeds eine weitere Chance immer mal wieder im Blickfeld des Nutzers aufzutauchen, präsent zu sein. Deshalb sollten neben den automatisch erzeugten Inhalten auch zusätzliche Informationen, Themen behandelt werden.

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ToDo:
Fragen rund um die inhaltliche, formale Gestaltung von RSS Feeds klären.
In welchem Stil schreibt man Feeds? Eher locker oder an den Stil der Homepage angepasst?
Gestaltung und Inhalt der Feed-Hilfeseite.
Wie verpacke ich die Fragen „Was ist das?“, „Wie mache ich das?“ in eine möglichst kurze, ansprechende Webseite? Und vor allem so, dass niemand grübelt „Was bringt mir das?“, sondern sofort loslegt und endlich auch erkennt, dass Feeds eine zeitsparende, praktische Sache sind. 😉