Chatauskunft via Instant Messenger

15/09/2009 5 Kommentare

Die sogenannten digitalen Auskünfte gibt es in Bibliotheken schon eine ganze Weile. Neben den häufig angebotenen asynchronen Auskunftsdiensten (E-Mail, Formulare), werden in deutschen Bibliotheken kaum synchrone Auskunftsdienste (Chatprogramme) verwendet. Eine Übersicht (nicht ganz vollständig) dazu gibt es auf der Seite Bibliothekar.de

Ganz anders halten es die anglo-amerikanischen Bibliotheken. Dort bieten sehr viele eine digitale Auskunft mittels Chatprogramm oder Instant Messenger an. Wie viele das sind, kann man gut im Library Success – Best Practice Wiki sehen.

Vor kurzem bin ich durch diesen Eintrag im netbib Webblog auf die wohl erste deutsche Chatauskunft via Instant Messenger aufmerksam geworden. Die Stadtbibliothek Salzgitter bietet im Bibliotheks-Blog, durch das Widget Meebo Me, ihren Nutzern ganz unkompliziert eine Möglichkeit Kontakt aufzunehmen.

Warum eine Chatauskuft?
Diese Auskunft soll keine der anderen ersetzen, sondern als weiterer Kanal gesehen werden Auskünfte zu erteilen. Und damit eine Zielgruppe zu erreichen, die oft nicht mehr viel von Bibliotheken hält. Diese Zielgruppe sind die digital natives. Die ‚digitalen Muttersprachler‘ kennen keine Welt ohne Computer, Internet, Suchmaschinen, Handy etc., sie sind mit diesen Technologien aufgewachsen. Diese Menschen möchten schnell, unkompliziert und mittels der aktuellen technischen Möglichkeiten Informationen und Auskünfte erhalten.

Warum ein Instant Messenger, anstatt eines Chatprogrammes?
Diese speziellen Chatprogramme sind meist sehr teuer. Sie enthalten zwar viele zusätzliche Funktionen (z.B. Co-Browsing), allerdings funktionieren die oft nicht richtig. Es gibt außerdem auch häufig Probleme mit den Browsern.
Zahlreiche Studien belegen, dass die digital natives sehr oft Instant Messenger nutzen, teilweise sogar häufiger als E-Mails. Sie ermöglichen eine schnelle, einfache, kostenfreie Kommunikation.
Also warum den Nutzern nicht eine Chatauskunft mittels einer Software anbieten, die sie bereits bestens kennen und gern benutzen?

Sicherlich ist die Auskunft via Chat oder Instant Messenger anspruchsvoll, aber trotzdem kein Ding der Unmöglichkeit. Denn vorerst werden dort die gleichen Fragen auftauchen, die uns täglich am Telefon, per Mail oder persönlich erreichen. Fragen zum Nutzerkonto, Passwörter, Verlängerungen etc., wirkliche Rechercheanfragen werden seltener gestellt.

Wie man vielleicht merkt, habe ich mich mit diesem Thema intensiver auseinander gesetzt und zwar in meiner Diplomarbeit „Kompetent IM Netz : Machbarkeitsstudie zum Einsatz von Instant Messaging an der Bibliothek der Helmut Schmidt Universität, Hamburg“. Diese soll bald in einer Reihe der HSU Bibliothek veröffentlicht werden. Zudem arbeiten die Kollegen dort gerade daran die IM Auskunft einzuführen. Demnächst werde ich dort innerhalb einer Schulung etwas über das IM-Programm, Chatsprache, Auskunftsinterview im Chat, eingehenden Anfragen und schwierigen Nutzern erzählen. Außerdem werden die Teilnehmer in einem Rollenspiel jede Menge Beispiele durchgehen.
Ich bin schon sehr gespannt.

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ToDo: Schulung für die Mitarbeiter der HSU vorbereiten.

Mini-Workshops

Da bin ich doch über ein richtig spannendes Experiment gestolpert. Auch wenn es schon eine Weile her ist, dass Stephen Francoeur darüber in seinem Blog Teaching Librarian berichtete, scheint es mir erwähnenswert.

Worum gehts?
Als Mini-Workshops beschreibt er 10 minütige Schulungen am Auskunftstresen.
In der Bibliothek wurden einige Stühle, Laptop, Projektor und eine Bildschirm aufgestellt. Als Themen wurden Semesterapparate und Lehrbücher behandelt.

Die Mini-Schulungen wurden am späten Vormittag und frühen Nachmittag (Zeiten in denen die Bibliothek die meisten Besucher verzeichnet) durchgeführt.
Das Angebot wurde an den üblichen Stellen beworben und außerdem ist ein Bibliothekar 15 Minuten vor Beginn durch die belebtesten Räume/Gänge gegangen und hat Interessierte eingesammelt.

An den Mini-Schulungen haben 7-11 Studenten teilgenommen. Mir erscheint diese Zahl recht beachtlich. Einige der Studenten sind nach der Schulung noch geblieben, um weitere Fragen zu stellen.

Herr Francoeur nennt folgende positive Eindrücke:
Er hat in einer kurzen Zeit, einer angemessenen Anzahl an Studenten,
zu einem geeigneten Zeitpunkt, ohne großen Aufwand etwas beigebracht.
Die Themen Lehrbücher und Semesterapparate werden gerade zu Beginn des Semesters häufig nachgefragt, daher war er direkt am „point of use“ zur Stelle.

Außerdem nennt er folgende Vorteile:
Die Schulungen finden an einem Platz statt, an dem die Nutzer häufig vorbeigehen, dadurch werden sie leicht auf das Angebot aufmerksam. Einige nehmen sogar erst dort wahr, dass die Bibliothek Schulungen anbietet. Demnach sind die Kurzschulungen auch Werbung für die anderen Schulungsangebote.
Für Studenten mit wenig Zeit, sind sie eine Möglichkeit Informationskompetenz zu erlernen.
Da sie einfach und schnell durchzuführen und vorzubereiten sind können auch mehrere Kurzschulungen an einem Tag angeboten werden.

Als Nachteil gibt er an, dass nicht alle Themen dort besprochen werden können.

Das es sich hier um ein zusätzliches Angebot handelt und kein Ersatz für die herkömmlichen Schulungen sein soll, dürfte klar sein.

Eine erste Suche bei Google brachte mir viele Treffer mit Bibliotheken, die solche Schulungen anbieten:
Bsp.: Eli M. Oboler Library mit einer Fülle an möglichen Themen.
Bsp.: Newman Library

Kennt jemand eine deutsche Bibliothek, die sowas anbietet?

Etwas weiter gesponnen:
Angenommen eine Bibliothek bietet eine Chatauskunft an, die Gruppenchats unterstützt. Auch hier könnten diese Mini-Workshops angeboten werden.
Auf der Internetseite rechtzeitig bewerben und erläutern, wie man teilnimmt. Dann ist es egal, ob 5 oder 25 Studenten teilnehmen. Vielleicht könnte man so noch mehr Nutzer bzw. andere Zielgruppen erreichen? Viele sind doch fast immer online und haben vielleicht Lust in 10 Minuten etwas (ganz anonym) zu erlernen?

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ToDo: Eingehender mit dem Thema beschäftigen.

Diigo – Sprich Dee’go

26/08/2009 3 Kommentare

Heute möchte ich den Web 2.0 Dienst Diigo vorstellen. Der Werbeslogan „Highlight and Share the Web!“ beschreibt das Angebot schon sehr treffend.

Mit Diigo kann man Internetseiten bookmarken, Tags vergeben und Seiten in eigene Listen/Kategorien einordnen.

Es kommen aber noch ein paar andere Funktionen hinzu. Zum Beispiel können Textstellen markiert oder virtuelle Klebezettel angebracht werden. Der folgende Screenshot sollte verdeutlichen, wie das gemeint ist.
ScreenshotDiigo
(Screenshot der Seite Bibliothek 2.009)

Wie in Sozialen Netzwerken üblich, können alle Inhalte privat genutzt werden, bestimmten Gruppen zugänglich gemacht und diskutiert werden oder mit allen anderen Nutzern geteilt werden.

Diigo sieht sich aber nicht nur als weiteres „Social Network“, sondern als „Social Information Network“ (SIN).

A SIN is a social network where information consumption, research, and sharing is central, and where the connection between people and people, between people and information, and between information and information, are exploited and harnessed to improve knowledge sharing and content discovery, and to enable more meaningful social connections and intellectual exchanges.

People come to a SIN not mainly to socialize, but because it provides superior tools for collecting, annotating, organizing and discovering information. In time, the „social“ aspect of the network manifests in several ways. Some users will find that connecting with friends through content is a great and effortless way to learn both from friends and about friends. Some users will find that it provides a great way to find people with certain expertise, or connect and engage with people who share similar interests . Some users will find that it provides new ways to discover content.

(Quelle: About Diigo )

Zum bookmarken der Seiten bevorzuge ich das „bookmarklet“ Diigolet. Das kann man einfach per drag and drop (also komplett ohne Installation) in die Browserleiste ziehen. Sobald ich eine interessante Seite finde klicke ich es an und es öffnet sich diese Toolbar:
Diigolet

Mittels Diigolet kann ich die gewünschten Textstellen markieren und Notizen schreiben. Die Seite wird dann automatisch gebookmarked. Alle anderen Einstellungen (Beschreibung, Tags, Kategorien) kann ich später angeben.
Mit der Funktion „save Bookmark“ kann ich aber auch bereits hier alles eintragen.
Natürlich gibt es noch andere Möglichkeiten Seiten mit Diigo zu bookmarken, dieser sind hier zusammengefasst.

Wenn man eine Weile mit Diigo arbeitet, wird die eigene Seite in etwa so aussehen:
Bookmarks

Dort kann ich neben den bereits beschriebenen Funktionen auch sehen, welche Textstellen ich markiert habe oder welche Notizen ich gemacht habe (ohne die Internetseite besuchen zu müssen). Außerdem ist ersichtlich, wie viele andere Personen die Seite ebenfalls gebookmarked haben (saved by X people). Ich kann mir zudem öffentliche Notizen ansehen (All Annotations). Alle anderen Funktionen, Einstellungen sollten soweit erkennbar sein.

Wann benutze ich Diigo?
Gerade, wenn ich mich in ein neues Thema einarbeite und viel im Internet recherchiere benutze ich gerne Diigo. Ich kann die Seiten schnell und einfach bookmarken, meine Gedanken zu bestimmten Textstellen festhalten und sie nach meinen Bedürfnissen Taggen, Einordnen etc. Das hilft mir den Überblick zu behalten, Seiten schnell und vor allem auch noch nach einiger Zeit wieder zu finden. Da es sich um einen Internetdienst handelt, habe ich von jedem PC aus Zugang zu meinen Bookmarks. Die Bedienung empfinde ich als einfach und intuitiv.

Die Funktionen der gemeinsamen Gruppenarbeiten habe ich bisher kaum genutzt. Dazu kenne ich zu wenige Leute, die ebenfalls Diigo nutzen. Aber vielleicht werden es nach diesem Blogeintrag ein paar mehr…

Kategorien:Diigo Schlagwörter: , , ,

Spaß mit Generatoren

Wie in Lektion 8 gefordert, habe ich diese sorgsam durchgearbeitet und muss gestehen, der Coupon Generator hat es mir angetan. 😉

208_sabrina_slave_coupon

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass man mit den Generatoren kreative Bilder für die Homepage (egal ob privat oder beruflich) erstellen kann und auf jeden Fall für einen Hingucker sorgt.

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ToDo: Ein Bolg-Theme finden, in dem eine Tag-Cloud besser dargestellt werden kann.

Traumberuf?

13/08/2009 1 Kommentar

…Die letzen Stufen sind erreicht. Jetzt ist es so weit, sie ist ganz unten angekommen. Hinter der schweren Eisentür befindet sich ein langer Korridor…schummriges Licht. Bis auf ein gelegentliches Knacken ist alles still…sie ist ganz allein hier unten. Schnellen Schrittes geht sie den Korridor entlang. Ihr Weg führt sie an mehreren Türen vorbei, bis sie schließlich vor einer stehen bleibt…Nr. 9…ja, hier ist es. Ein entferntes Poltern lässt sie kurz aufschrecken. Dennoch steckt sie entschlossen den Schlüssel in das Schloss. Die Tür öffnet sich schwerfällig. Sie starrt in absolute Finsternis…ein seltsamer Geruch schlägt ihr entgegen. Sie macht einen Schritt vor und tastet mit der linken Hand an der Wand entlang…klick…der Raum wird erhellt. Und da stehen sie…

Okaay…zugegeben da habe ich meinen Gang in das Altbestandsmagazin etwas dramatisiert beschrieben, aber ein klein wenig unheimlich kann es schon sein. 😉
Also, wer steht nun dort? Natürlich die Bücher des Altbestandes. Das sind Bücher bis 1850. Oft in Ledereinbänden eingehüllt, manchmal in Pergamenten. Für mich ein wunderschöner Anblick. Doch scheinen nicht alle so zu empfinden. Wenn ich anderen begeistert erzähle, wie gern ich mit dem Altbestand arbeite, gibt es nur 2 Reaktionen. Entweder sie teilen meine Begeisterung von vornherein oder zeigen zumindest echte Neugier und Interesse. Oder sie rümpfen die Nase, schütteln sich und lassen Worte wie „dreckig…ekelig…riechen total seltsam…fassen sich komisch an“ verlauten. Das versetzt mir immer einen kleinen Stich und nachvollziehen kann ich es ganz und gar nicht.

Ich glaube jeder Haltestange im Bus haften mehr Bakterien an, als diesen Büchern. Zugegeben manche riechen seltsam, aber stinken tun sie auf keinen Fall. Das Papier ist fest und oft hat man das Gefühl zwei Seiten anstatt einer zwischen den Fingern zu halten, aber das kann doch nicht dazu führen, dass man sich davor ekelt?
Wie gesagt ich arbeite gern mit diesen alten Büchern und darum freut es mich umso mehr, dass ich innerhalb meiner ersten richtigen Stelle damit arbeiten darf. In den letzen Wochen habe ich so einiges über die Katalogisierung alter Drucke gelernt. Da kommen schon einige neue PICA Kategorien zusammen.
Zum Beispiel erhält jedes Buch einen Fingerprint. Die Angaben aus dieser Kategorie machen es einfacher das Buch zu identifizieren. Um den Fingerprint zu erstellen, werden unter anderem von vordefinierten Seiten bestimmte Buchstaben entnommen und das Erscheinungsjahr ergänzt. Das Buch ‚Die Blatterimpfung erleichtert und hiermit den Müttern selbst übertragen / Johann Georg Eisen. – Riga, 1773‘ trägt beispielsweise den Fingerprint est, e-hr d.er Alli 3 1774A . Es kommt vor, dass sich Titeldaten nur sehr leicht unterscheiden, da ist der Fingerprint eine sichere Methode der Identifikation. Da die Bücher meist in Fraktur geschrieben sind und sich die Menschen anders ausdrückten, muss man schon sehr genau hinschauen und genau arbeiten.

Spannend ist es natürlich, wenn man kurz Zeit hat durch das Buch zu Blättern und ein paar Stellen lesen kann. So fand eine Kollegin in dem Buch ‚Character Friederichs des zweyten, Königs von Preussen / Anton Friederich Büsching. – Halle, 1788‘ die Menüfolge des Königs vom 23.10.1780. Es gab Suppe mit Zuckerwurzeln, Rebhühner mit grünen Erbsen, kleine Pasteten auf röm. Art, gebratene Lerchen, Klops vom Kalb auf englisch und zum Nachtisch Obst. Das klingt doch echt mal lecker. (Danke Inez 😉 ).

Mir sind auch schon einige skurrile Bilder begegnet. Zum Beispielt dieses: skel2 (Aus dem Thesaurus Frederici Ruyschii, Anatomes & Botanices Professoris … Opera Omnia Anatomico-Medico-Chirurgica : Huc Usque Edita ; Quorum Elenchus pagina sequenti exhibetur, Cum Figuris Æneis. – Amstelodami, 1725-1747).

Schmunzeln musste ich, als ich ein Buch entdeckte, dessen Titel mir zeigte, wie bedeutend doch meine Heimatstadt ist. Mir war nicht klar, dass sie gar weltberühmt ist! Nun zumindest behauptet es der Autor des Werkes: ‚Elegia De Obsidione Magdeburgensi, das ist Klage-Reimen/ Von der Belägerung und Eröberung der weitberühmten und uhralten Stadt Magdeburg : An den Herrn Joachimum Camerarium Pabenbergensem, vor etlich 70. Jahren in Lateinischer Sprach beschrieben/ und verdeutschet / Von dem vornehmen Poeten Petro Lotichio II. Solitariensi, der Universitet Heidelberg Professore‘. Das Buch liegt digitalisiert vor und kann hier nachgelesen werden. 😉

Natürlich frage ich mich manchmal, wie viele Menschen so ein Buch wohl mal in den Händen gehalten haben. Haben sie sich gefragt, wie lange es dieses Buch noch geben wird? Oder wie eine Bibliothek in 200 Jahren aussehen wird? Bestimmt, aber genauso wenig, wie sie die Zukunft erahnen konnten, kann ich mir heute vorstellen, wie es war damals zu leben.

Worauf wollte ich eigentlich mit diesem Blogeintrag hinaus? Ganz einfach Bibliothekarin ist mein Traumjob und zurzeit habe ich meine Traumstelle. Ich darf alte Bücher bearbeiten, dabei ein wenig in die Vergangenheit schauen und mir gleichzeitig über aktuelle, vielleicht auch manchmal nach Zukunftsmusik klingende Technologien Gedanken machen. Das fordert mich. Das motiviert mich. Das macht mir Spaß.

Nachtrag 14.09.09: Heute wurde der Hinweis auf diesen netten Artikel: Was Bibliotheken lieber verschweigen gezwitschert. Ab sofort kann ich mich also wahlweise fragen „Wer hatte das Buch wohl schon in den Händen?“ oder „Wen halte ich da wohl in den Händen?“ 😉

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ToDo: Zustand genießen.

LibraryThing

Das ist ja ein Ding! Es gibt neben Bibliothekare noch Menschen, die Bücher freiwillig katalogisieren? Momentan machen das 794,857 Nutzer mit Hilfe des Web-Angebotes LibraryThing. Die private Bibliothek wird ganz unkompliziert in einen eigenen Katalog eingegeben und mit weiteren Titeldaten, Buchcover, Tags, Rezensionen und Empfehlungen ergänzt. Gleichgesinnte kann man leicht finden und munter in Gruppen Diskutieren.

Vielleicht haben die Kollegen der Gruppe „Librarians who LibraryThing“ einfach recht und der Beruf Bibliothekar ist mittlerweile doch ‚hipper‘, als wir immer glauben? Darüber wird zumindest in einem Beitrag der Gruppe diskutiert. Besonders schön fand ich dort den Hinweis auf einen Artikel in der New York Times.

Nun zu den eigentlichen Fragen: Was können denn Bibliotheken mit diesem Ding anfangen? Könnte LibraryThing eine Konkurrenz zu den oft langweiligen, unübersichtlichen Bibliothekskatalogen werden?
Oder kann es gar eine Konkurrenz für das gesamte Bibliothekswesen werden?

Die Stadtbücherei Norderham präsentiert ihre Neuerscheinungen der Erwachsenenliteratur in einem LibraryThing Katalog.
Beim durchstöbern dieses Kataloges viel mir zuerst auf, dass er schön übersichtlich ist. Auch die Titeldaten mit den zahlreichen Anreicherungen (Tags, Empfehlungen, Cover) sind optisch angenehm und übersichtlich gestaltet. Die Suche nach einzelnen Titeln ist einfach gehalten und daher ebenfalls positiv zu bewerten. Ohne jetzt zu wissen, warum die Stadtbücherei Norderham sich dazu entschlossen hat, einen LibraryThing Katalog anzulegen, möchte ich meine Ideen dazu niederschreiben, aber auf keinen Fall die KollegInnen irgendwie kritisieren.

Ich kann mir gut vorstellen, das ein „normaler“ Benutzer mit dem LibraryThing Katalog besser und intuitiver umgehen kann. Er hat die Möglichkeit andere/ähnliche Titel schnell und einfach ausfindig zu machen. Und mitmachen geht natürlich auch.
Allerdings verfügt dieser Katalog über keine direkte Verknüpfung mit dem eigentlichen Bibliothekskatalog, daher sind Ausleihstatus und Signatur nicht ersichtlich. Es wird also eine zweite Suche notwendig, wenn ein Nutzer diese Informationen haben möchte.
Jacob Voss stellte in seinem Artikel LibraryThing – Web 2.0 für Literaturfreunde und Bibliotheken fest, dass in LibraryThing eine „Übermacht der englischen Sprache“ (S.2) herrscht. Dem kann ich nur zustimmen. Die meisten Tags und Empfehlungen werden auf Englisch wiedergegeben. Dieser Umstand könnte dafür sorgen, dass ein zwangloses stöbern doch nicht so einfach möglich ist.
Daher würde ich einen LibraryThing Katalog eher als Öffentlichkeitsarbeit ansehen. Der neue Bestand wird einer breiten Masse an interessierten Menschen auf eine optisch ansprechende Weise und in einem modernen und beliebten Medium präsentiert. Durch die Möglichkeit sich einzubringen, kann evtl. auch eine stärkere Bindung zur Bibliothek aufgebaut werden. Vielleicht könnte sich die Bibliothek und deren Angebote innerhalb von LibraryThing auch noch stärker präsentieren?

Neben der Möglichkeit den Bibliotheksbestand in einem Katalog zu präsentieren, können einige LibraryThing Angebote auch in den eigenen Katalog integriert werden. Diese Liste zeigt die bisherigen Möglichkeiten der Kataloganreicherung durch LibraryThing. So kann beispielsweise eine tag cloud angezeigt werden.
Die Möglichkeit den eigenen Bibliothekskatalog anzureichen wird bereits von vielen Bibliotheken genutzt. Allerdings scheinen mir die Angebote die da genutzt werden professioneller zu ein. Für weitere Informationen dazu könnte der Artikel Katalogerweiterungen, Mashups und Elemente der „Bibliothek 2.0“ in der Praxis interessant sein.

In einigen Blogs, die sich ebenfalls innerhalb der Lektion 6 des Selbstlernkurses Bibliothek 2.009 mit LibraryThing befassen, habe ich weitere interessante Gedanken gefunden. So wird im Blog CKJ Katalogiseriung über die Probleme bei der Eingabe von chinesischen Büchern berichtet. In Wedernoch´s Blog kann man sehr schön nachlesen, wie frustrierend es sein kann, wenn ein älteres Buch nicht in LibraryThing vorhanden ist. Bei älteren Bücher, gerade auch Altbestand, kann Librarything gar nicht mehr mithalten, weil eben nur Bücher katalogisiert werden, die die Nutzer auch besitzen.
Lahdihda’s Blog
greift den Mangel auf, dass nur Bücher und keine Nichtbuchmaterialien aufgenommen werden können.

Fazit: Als Mittel für die Öffentlichkeitsarbeit? Ja.
Als Katalogersatz? Nein.
Für die Kataloganreicherung? Jain. Hier bedarf es sicher noch einiger Verbesserungen.
Als Konkurrenz fürs Bibliothekswesen? Nein.

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ToDo: Das Ding im Auge behalten.

RSS Feed für Kommentare zu diesem Artikel

RSS Feeds in Bibliotheken

29/07/2009 6 Kommentare

Was ist das? 128px-Feed-icon2.svg.bmp
Meist viereckig, orange mit einem Punkt und zwei Streifen, aber auch immer häufiger in ziemlich wilden Varianten… panda

Viele werden sofort wissen, dass es sich dabei um Symbole für RSS Feeds handelt. Ein paar weniger werden wissen, dass sie diese Symbole dazu einladen beispielsweise Neuigkeiten einer Webseite zu abonnieren. Noch weniger werden wissen, wie sie diese Inhalte erhalten und lesen können. Und ich wage zu behaupten, dass noch immer nur ein paar Besucher einer Webseite bei diesem Angebot zugreifen.

Aber warum eigentlich?
Schließlich kann man doch ständig lesen, wie praktisch und zeitsparend Feeds sind. Auch während des Studiums habe ich das mehrfach gehört. Aber ganz ehrlich? Sofort überzeugt hat mich diese Technologie nicht. Wieso?

Da muss ich überlegen…
Ich glaube es lag daran, dass diese einfache Technologie so umständlich erklärt wurde oder umständlich erklärt werden musste? Immerhin gilt es Fragen wie: „Was ist das überhaupt?, „Wie mache ich das?“ (Allein hier gibt es schon mehr oder weniger aufwendige Möglichkeiten.) und „Was bringt mir das?“ zu beantworten. Und nach diesen Ausführungen ist man vielleicht nicht wirklich davon überzeugt, dass es einfach, praktisch und zeitsparend ist RSS Feeds zu benutzen. Ob das nur bei mir so war…wer weiß?

Und wieso benutze ich sie nun trotzdem gern? Weil auch ich immer mehr Internetseiten, Blogs, Diskussionen etc. interessant und lesenswert finde. Und weil auch ich merke, dass es umständlich und zeitaufwändig ist mehr als 20 Internetseiten zu besuchen und auf Neuigkeiten zu prüfen. Deshalb habe ich einfach mal aufgehört mich zu fragen, was mir diese Feeds wohl bringen würden und es ausprobiert. Und tatsächlich, es spart Zeit! Ich kann jetzt mühelos einer großen Menge an Informationen folgen und auf dem Laufenden bleiben. Egal, ob es mehrmals am Tag etwas Neues gibt oder einmal im Monat. Ich verpasse nichts.

Diese Erkenntnis ist jetzt eine Weile her und nun kommt das berufliche ins Spiel. Die UB in Kiel möchte auch bald RRS Feeds anbieten und ich darf dieses Projekt umsetzen. Da trifft es sich sehr gut, dass dieses Thema gerade in der Bibliothek 2.009 in Lektion 04 und in Lektion 05 bearbeitet wird.

Am Anfang des Projektes ist es natürlich spannend zu recherchieren, welche Bibliotheken bereits Feeds anbieten und noch viel wichtiger, welche Inhalte sie verbreiten. Eine erste Übersicht war leider schnell abgearbeitet, weil es in Deutschland bisher noch gar nicht viele Bibliotheken mit RSS Feeds gibt.

Welche Informationen verbreiten sie?
Oft ähneln sich die Inhalte. Am häufigsten findet man Feeds die Neuigkeiten, Aktuelles etc. der Bibliothek beinhalten. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, immerhin kann man aus diesen Informationen automatisch einen Feed erzeugen. Feeds für Neuerwerbungen sind ebenfalls häufiger zu finden. Hier gibt es aber schon größere Unterschiede. Als einfachste Variante gibt es Feeds, die die Neuerwerbungen des letzten Monats oder die letzen 30 Neuerwerbungen beinhalten. Teilweise werden sie auch auf bestimmte Fachgebiete zugeschnitten angeboten.
Am schönsten finde ich das Angebot der TUB Hamburg-Harburg MyBibRSS. Eine personalisierte Neuerwerbungsliste! Feed benennen, Fachgebiete auswählen, fertig. Was erhalte ich? Einen Neuerwerbungs-Feed, der auf meine Interessen, Studienfach etc. zugeschnitten ist und keine überflüssigen Informationen enthält.

Welche Themen könnten Inhalte von Feeds sein? Hier ein paar Anregungen aus diversen Bibliotheks-Feeds + ein paar eigene Überlegungen.
– Öffnungszeiten Bibliothek (Änderungen / Schließungstage)
– Veranstaltungen (erste Bekanntmachung / spätere Erinnerung)
– Schulungsangebote (erste Bekanntmachung / Hinweis auf freie Plätze / Erinnerung)
– Datenbanken (neue Angebote / nicht mehr zugänglich / Veränderungen)
– Literatur (größere Menge durch Geschenk, Nachlass erhalten, dazu Infos)
– Spenden (Was wurde mit dem Geld gemacht?)
– Wartungsarbeiten / Störungen (ankündigen, Störungen schnell melden, erklären,
Hilfestellung)
– Umfragen (Ergebnisse Umfragen mitteilen, damit verbundene Änderungen)
– „Flohmarkt“ (Verkauf ausgesonderte Bücher)
– Besonderheiten im eigenen Bestand (vorstellen)
– „Probleme“ aus den Abteilungen (Nutzer machen ständig etwas „falsch“? Hier könnten
verschiedene Themen aufgegriffen und erklärt werden)
– Bibliothek, Abteilungen, Geräte (vorstellen, bekannter machen)
(Diese Liste wird hoffentlich noch länger.)

Ich denke es ist wichtig, dass der Feed nicht nur einmal im Monat etwas verbreitet.
Wir haben mit RSS Feeds eine weitere Chance immer mal wieder im Blickfeld des Nutzers aufzutauchen, präsent zu sein. Deshalb sollten neben den automatisch erzeugten Inhalten auch zusätzliche Informationen, Themen behandelt werden.

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ToDo:
Fragen rund um die inhaltliche, formale Gestaltung von RSS Feeds klären.
In welchem Stil schreibt man Feeds? Eher locker oder an den Stil der Homepage angepasst?
Gestaltung und Inhalt der Feed-Hilfeseite.
Wie verpacke ich die Fragen „Was ist das?“, „Wie mache ich das?“ in eine möglichst kurze, ansprechende Webseite? Und vor allem so, dass niemand grübelt „Was bringt mir das?“, sondern sofort loslegt und endlich auch erkennt, dass Feeds eine zeitsparende, praktische Sache sind. 😉